Lee Child – Die Gejagten

Der Ex-Militärpolizist Jack Reacher ist auf dem Weg zu seiner ehemaligen beruflichen Wirkungsstätte in Washington, D.C., um die ihm bisher nur vom Telefon bekannte Major  Susan Turner – aktuelle Nachfolgerin seines alten Postens – kennenzulernen. Doch schon gleich nach seiner Ankunft muß Reacher erkennen, dass aus dem ersehnten Abendessen nichts wird; haben sich einige Veränderungen ergeben, die Reachers Vorhaben unmöglich machen.

Nachdem der vorangegangene Band „Der Anhalter“ bei mir keine rechte Freude aufkommen ließ, zuviel Zeit wurde in und über amerikanische Dienstwagen berichtet, zu viele langwierige Fahrten zurückgelegt, die auf mich ermüdend wirkten, bietet der jetzt auf deutsch erschiene Nachfolger wieder mehr klassisches Reacher-Unterhaltungspotential. Mit dem 1. Band „Größenwahn“ und dem damals aktuellen „Underground“ hatte ich mir den Kosmos des großen, kampfstarken Mannes mit der Uhr im Kopf näher gebracht. Dass das Konzept keine großen Veränderungen beinhalten würde, war schnell klar. Trotzdem funkte es zwischen mir und Lee Childs Kopfkinoliteratur. Eine Lektüre zum“Abschalten“, einigermaßen glaubhaft und nicht langatmig. Das gefiel. Inzwischen sind acht Teile der Reihe gelesen, unter denen sich „61 Stunden“ und „Outlaw“ als persönliche Favoriten herauskrisallisiert haben.

Auch im 18. Fall – die deutsche Reihe hinkt den Originalveröffentlichungen nach wie vor hinterher – gibt es keine Überraschungen, was altbewährte Muster angeht: Der Mann bleibt ein besonnener, klarer Analytiker, konsequent in der Auseinandersetzung – Probleme aufschieben war nie seine Sache -, zuweilen hart und gnadenlos in der Ausführung; der präventive Erstschlag ist ihm heilig und  gekämpft wird am liebsten gleichzeitig mit mehreren Gegnern. Verändert zeigt sich Reacher dennoch, weil ihm diesmal eine kompetente, gleichrangige Unterstützung zur Seite steht. Und diese Begleitung ist dann auch der Moment, an dem etwas neues Einzug hält: Eine Form romantischer Anwandlung Reachers gegenüber Turner geben dem Roman neue Impulse und lassen einige „mögliche“ Abweichungen zu. Es ist ein schwacher Schimmer von Veränderung im Gesamtkonzept denkbar.

„Ihre Telefonstimme hatte ihm gefallen. Das war alles. Er hatte dahinter eine interessante Persönlichkeit gespürt. Diese Frau wollte er kennenlernen. So einfach war das. … Und sah Susan Turner zum ersten Mal. Das Warten hatte sich gelohnt, fand er. Unbedingt gelohnt.“

Überrascht Lee Child am Ende mit einer neuen Konstellation der Serie? Das kann hier selbstverständlich nicht verraten werden. Vorrangig müssen sich die beiden mit einem ganzen Geflecht verschiedener Vorwürfe, die gegen sie erhoben werden, auseinandersetzen. Verwickelt in juristische Anschuldigungen, diverse Verfolger hinter sich, versuchen sie die Hintergründe und Zusammenhänge aufzuklären. Dem Buch verleiht das die notwendige Grundlage für eine interessante Geschichte und hält den Fortgang immer angenehm kurzweilig. Der Gegner, soviel darf gesagt werden, verfügt über große Ressourcen, die Reacher und Turner ihre Mission(en) erheblich erschweren.

„Die Gejagten“ hinterlässt einen guten Eindruck und gefällt qualitativ besser als der Vorgänger, weil  eine abwechslungsreiche Handlung für anhaltende Spannung sorgt. Der fortlaufende Faden um Susan Turner findet seine gekonnte Fortsetzung und bietet der treuen Leserschaft einen zusätzlichen Akzent. Am Ende hat Lee Child nicht viel riskiert. Vielleicht ist das ja gut so, die nächsten Folgen werden es zeigen.

LEE CHILD, „Die Gejagten“, Blanvalet

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4 Kommentare zu “Lee Child – Die Gejagten”

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