Lee Child – Der letzte Befehl

Endlich erfahren wir, wie alles begann – oder vielmehr wie alles endete. Der 16. Band der Jack-Reacher-Reihe, gerade in deutscher Übersetzung erschienen, ist ein Prequel. Ein weiteres Abenteuer, wie alle anderen auch, nur ist es Reachers letzter offizieller Auftrag für die Army.

Zurück in das Jahr 1997, genauer gesagt zum 11. März 1997. Jack Reacher steht in seiner Uniform vor dem Pentagon und rechnet mit allem. Vier Tage zuvor beginnt seine letzte offizielle Mission als Militärpolizist. Hier schlüpft er als Zivilist getarnt in eine Rolle, die er nicht mehr verlassen wird, die fortan sein Leben ist. Eine Rückschau ist dieser Roman, der damit die Reise, die Reacher zuletzt über mehrere Bände unternahm, unterbricht und den getreuen Fans der Reihe Antworten auf die Frage nach dem Ende seiner Karriere und dem Anfang seines ungewöhnlichenlichen Lebensstils geben soll.

Im Nordosten des Bundesstaates Mississippi, nahe der Kleinstadt Carter Crossing, befindet sich eine nahezu unbekannte Militärbasis. Von ihr lebt der Ort, der umgeben ist von menschenloser Landschaft. Eine junge Frau wird mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Ob der Mörder unter den stationierten Rangern in Fort Kelham ist, soll geklärt werden. Reachers Vorgesetzte wollen äußerste Diskretion und hoffen das ein Zivilist der Täter ist. Während Reacher im Ort undercover beobachten und berichten soll, führt ein jüngerer Major in der Basis die Untersuchungen durch. Doch Reacher liegt die Rolle des passiven Ermittlers nicht, zumal ihn der örtliche Sheriff, eine ehemalige Militärpolizistin der Marines, sofort enttarnt. Beide arbeiten schließlich zusammen, denn es gab in den Monaten zuvor zwei ähnliche Morde an jungen Frauen.

Ein Fakt von dem Reacher nichts wusste. Die Unstimmigkeiten mehren sich. Die undurchsichtige Lage wird vorallem durch das ungewöhnliche Verhalten der Behörden verursacht. Wer da die Fäden im Hintergrund zieht, bleibt lange unklar. Reacher hakt nach, muss Kontakte zu Kollegen knüpfen, die ihn von außen mit Informationen versorgen, weil seine Vorgesetzten sie ihm vorenthalten. Reacher ist Militärpolizist, nach seinem Verständnis ein unabhängiger Aufklärer, ausgestattet mit der Befugnis zum Wohle der Army gegen alle Dienstgrade zu ermitteln.

In diesem Fall scheinen sich die beträchtlichen Interessen der Army mit privaten zu vermischen. Für Reacher wird es brenzlig. Er ermittelt weiter, zweifelt die ihm vorgelegten, den Fall angeblich abschließenden Beweise an. Vier Tage insgesamt und Reacher hat sein Ziel erreicht. Der Preis dafür jedoch ist hoch. So zieht er am Ende los, will Amerika entdecken, die eigene Heimat kennenlernen, für die er sein Leben lang in fernen Ländern gekämpft hat. Es wird eine lange Unternehmung, wie wir wissen.

Mit „Der letzte Befehl“ bekommt man die Vorgeschichte der Reihe nachgereicht. Lee Child bietet ein weiteres Reacher-Abenteuer nach bekanntem Muster. Routiniert erdacht und niedergeschrieben,  schnörkellos und kurzweilig zu lesen – alle Erwartungen werden erfüllt. Nicht mehr – aber das reicht in diesem Fall ja auch schon.


LEE CHILD, „Der letzte Befehl“, Blanvalet

(c)Blanvalet

 

 

 

 

 

Eine weitere Besprechung zu Lee Child:  „Die Gejagten“

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