Lee Child – Der Bluthund

Warum „Der Bluthund“ der passende deutsche Titel für den neuesten Jack-Reacher-Band des britischen Autoren Lee Child sein soll, wo der Titelheld sich ja stets in die Dinge die ihn interessieren verbeisst, ist mir nicht ganz klar. Glücklicherweise lässt sich von dieser Irritation leicht absehen, denn das Buch bietet endlich wieder ein gelungeneres Setting, als die vorherigen Ausflüge Richtung Europa.

Was am besten zur Figur des immer sich auf der Reise befindlichen ehemaligen Militärpolizisten passt, sind nun einmal die unendlichen Weiten des amerikanischen Kontinents. Und obwohl das Rezept eines Reacher-Abenteuers einige Abwandlungen verträgt, funktioniert es am besten, wenn es nahe an der Originalzusammenstellung bleibt.

Das beginnt zunächst mit dem unterbrochenen Weg. Während einer Rastpause vertritt Reacher sich die Beine und entdeckt in der Auslage eines Geschäfts den Abschlußring eines West Point Abgängers. Wie sich herausstellt, ist es der Ring einer Frau. Warum gibt jemand diesen Ring weg? Diese Frage beschäftigt Reacher sofort und natürlich will er eine Antwort darauf haben. Der Bus darf ohne ihn weiterfahren, der Ring wird gekauft und die Mission Rückgabe an die Besitzerin nebst einzuholender Erklärung ist gestartet.

Es folgt der Weg zum Ziel. Eine lange Reise bis nach Wyoming, unterbrochen von Zusammenkünften mit wenig auskunftswilligen Zwischenhändlern, einem Privatermittler und einer Regionalpolizistin. Angekommen in der dünnbesiedelten Region im Westen, gilt es ein kniffligeres Puzzlespiel zu lösen, um den Aufenthaltsort der Gesuchten zu finden. Lebt sie noch? Die dann zutage geförderten Erkenntnisse erweitern die Handlung und Lee Child nimmt sich einer ernsten Thematik der jüngeren Mlitärgeschichte der USA an.

Und schließlich der finale Sieg des Guten im Rahmen einer letzten großen Aktion. Damit wird nicht zuviel verraten, denn so geht das Rezept nun mal. Allerdings setzt Child in diesem Band schon deutlich vor Ende viel aufklärerische Momente um den Schlussteil nicht zu überfrachten. Da sorgt man sich dann schon etwas: Und jetzt? Doch der Autor weiß was er tut. Er erzählt seine Geschichte souverän weiter und löst alles mit einem konzentrierten Schluß.

Keine großen Überraschungen für die Serie bietet „Der Bluthund“, aber endlich wieder eine solide, kurzweilige Abenteuergeschichte. Angenehm fällt das fehlen von peinlichen oder pathetischen Momenten auf. Hier glänzt Lee Child durch Weglassen und widmet sich lieber einer kontrollierten Landschaftsbeschreibung, die für die Stimmung des Krimis absolut passend wirkt. Mit der näheren Betrachtung einzelner Schicksale ehemaliger Militärs, die mit den Auswirkungen ihrer Tätigkeit nach dem Ausscheiden aus dem Dienst zu kämpfen haben, wird eine ernste Ebene eingefügt, die gut balanciert erzählt ist und für die der Autor Respekt erhält. „Der Bluthund“ verdient also Lob und bestenfalls einen anderen deutschen Titel.


LEE CHILD, „Der Bluthund“, Blanvalet

Der Bluthund von Lee Child
(c)Blanvalet

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