Nana Kwame Adjei-Brenyah – Friday Black

Mit dem Debütband „Friday Black“des amerikanischen Autoren Nana Kwame Adjei-Brenyah ist eine Storysammlung erschienen, in der überraschend kreativ mit aktuellen gesellschaftlichen Themen umgegangen wird und in deren Mittelpunkt People of Color  stehen. Das Erzählungen keine langweilige und wegen ihrer Kürze schnell wieder vergessene Lektüre sein können, beweist der in New York geborene Schriftsteller mit großer Vielseitigkeit.

Gleich zu Beginn setzt Adjei-Brenyah mit einer grausigen Tat ein Zeichen: Ohne Gewalt wird es nicht gehen. Und so kann gleich festgestellt werden, dass sich diese Lektüre nicht bei allen gleich bewähren wird. Doch wichtiger ist die Feststellung, dass gerade der Einsatz von Gewalt in unserer Zeit zunehmend wieder ein Mittel des öffentlichen Ausdrucks geworden ist. „Black Friday“ stellt eine aktuelle Reaktion auf Ereignisse der jüngeren Vergangenheit dar, nicht nur im rassischtisch dominierten Alltag, sondern auch in anderen sozialen und politischen Bereichen. Es geht um Gerechtigkeit, um Chancen im Leben ganz allgemein oder um die Auswucherungen des Konsumverhaltens.

Gleich drei Erzählungen widmen sich dem Einzelhandel. Das klingt zunächst öde, aber die titelgebende Story „Friday Black“ gehört zu den wunderbar überspitzt angesetzten Geschichten, mit denen dieses Buch so überrascht. Sie handelt von der Hysterie der Käufer, die in einem Kampf um Leben und Tod versuchen, an besagtem Freitag das ultimative Schnäppchen zu machen. Völlig überdreht ist das Szenario, in dem der erzählende Verkäufer von seinem abgebrühten Umgang mit den durchdrehenden Kunden berichtet und mit seinen quantitativen Erfolgen prahlt. Dem Autor ist allerdings auch wichtig, die Kehrseiten  zu zeigen. Und so lässt er sein Verkaufsgenie über die Bedingungen seiner Arbeitswelt plaudern. Über das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander, über den Ehrgeiz und die Konkurrenz die durch ausgelotete Prämien erwachsen und den Umgang des Unternehmens mit Siegern und Verlierern in diesem Wettbewerb.

„An meinem zweiten Black Friday lief der Verkauf in unserem Laden ziemlich gut, und es gab eine Provision. Man kriegte etwa 2,5 Prozent der eigenen Verkäufe. Das war eine große Sache für uns. Damals war Wendy unsere beste Verkäuferin. … In jenem Jahr hatte sie für alle einen Kuchen mitgebracht. Ich achtete darauf, nichts davon anzurühren, denn ich esse nichts, das mir jemand in den Rachen schieben will, außerdem konnte sie nicht aufhören, von dem Kuchen zu reden. … Alle sagten, wie nett sie sei, wie aufmerksam. Doch dann waren Wendy und ich die Einzigen, die nicht den ganzen Tag die Scheißerei hatten.“

Mit einem fantasievollen Mix aus dystopischen und skurilen Ideen, beleuchtet Adjei-Brenyah durchaus reale Situationen der Gegenwart, die er in eine abgewandelte Zukunft versetzt, in der bestimmte Mechanismen und normierte Verhaltensweisen unserer Zeit nicht mehr gelten. Die daraus zum Teil entstehende Übertreibung zeigt den Sinn oder Unsinn menschlichen Denkens und Handelns. Mahnung und Klage zugleich, zeigen sie nicht nur auf die heutigen Zustände, sondern bieten die Chance, einen Blick voraus zu werfen und auf kommende Veränderungen reagieren zu können.

So sind die zwölf Erzählungen nicht nur eine abwechslungsreiche Unterhaltung, die durch den kreativen Gebrauch verschiedener Genre zu überzeugen wissen. In ihnen steckt die tiefe Überzeugung, dass gerade etwas schief läuft und es durchaus möglich ist, dagegen etwas zu tun. So will der Mitarbeiter in einem „Vergnügungspark“, in dem die Besucher in einer gestellten Begegnung ihr Agressionspotential abbauen können, verhindern, dass das Töten eines Menschen als einziges Mittel in einer vermeintlichen Gefahrensituation gesehen wird.

Im Zentrum dieses Buches stehen einfache, meist sozial schwach gestellte Afroamerikaner, die sich an ihre Jobs klammern, die auf eine bessere Zukunft hoffen oder mit dem erreichten kleinen Wohlstand zufrieden sind. In der ersten Erzählung geht es allerdings um die grundsätzliche Stellung vor dem Gesetz. Mit diesem Auftakt, in dem ein weißer Vater in der festen Überzeugung sich zu verteidigen, fünf Morde an wehrlosen Kindern begeht, erkennt man die Kraft und den unverbrauchten Ideenreichtum eines Debütanten, von dem hoffentlich bald mehr zu lesen sein wird.


NANA KWAME ADJEI – BREYAH,  „Friday Black“, Penguin Verlag

Friday Black von Nana Kwame Adjei-Brenyah
(c)Penguin

4 Kommentare zu „Nana Kwame Adjei-Brenyah – Friday Black“

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