Schlagwort-Archive: Japan

Haruki Murakami – Erste Person Singular

Nicht immer müssen die Dinge und Ereignisse in unserem Leben einen tieferen Sinn ergeben. Und nicht immer lassen sich die Dinge und Ereignisse in unserem Leben bis auf das Letzte ergründen. Ja, und nicht immer ist die Lektüre von Texten, die sich an den vorangestellten Aussagen orientieren, eine besonders anregende oder erfreuliche Lektüre. Der neue Erzählband „Erste Person Singular“ von Haruki Murakami kann sich rühmen, trotz Erfüllung der Aussagen der ersten beiden Sätze, auf vollkommendste Weise zu unterhalten.

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Ryu Murakami – In Liebe, Dein Vaterland

Der Blick in die Zukunft gehört zu den schwierigsten Dingen, die ein Mensch leisten kann. Damit sind nicht Vorhersagen gemeint, die jeder aus dem Alltag kennt. Nein, die Fragen, die es wirklich in sich haben, drehen sich um die Weiterentwicklung der Menschheit und unseres Planeten. Mit großer Begeisterung las ich die letzten Tage „In Liebe, Dein Vaterland“ von Ryū Murakami und war erstaunt, wie diese vor längerer Zeit entstandene Utopie des japanischen Autors mich so fesseln konnte. Das monumentale Werk des Schriftstellers und Filmemachers, das in zwei Bänden fast 1000 Seiten umfasst, wurde bereits 2005 veröffentlicht und ist im letzten Jahr beim österreichischen Verlag Septime in der Übersetzung von Ursula Gräfe auf deutsch erschienen. Ryu Murakami – In Liebe, Dein Vaterland weiterlesen

Ryu Murakami – Coin Locker Babys

Ryu Murakami ist einer der Autoren, die schon lange in meinem Kopf herumgeistern. In diesem Jahr bot eine Neuerscheinung nun den Anlass für ein Kennenlernen des japanischen Namensvetters von Haruki Murakami. Beide sind nicht miteinander verwandt und auch literarisch – zumindest nach dieser Lektüre – bewegen sie sich eher in unterschiedlichen Welten. Ryu Murakami, der auch als Filmregisseur arbeitet („Tokio Dekadenz“), hat ein eher düsteres Japan vor Augen, dass nichts mit dem zum Teil märchenhaft-verträumten Szenarien bei Haruki Murakami zu tun hat.

Der Titel des Buches sei erklärt:  Als Coin Locker Babys werden in Schließfächer ausgesetzte Säuglinge bezeichnet. In der Regel sterben sie vor ihrem Auffinden. Grausam und mörderisch ist das, weil die Mütter den sicheren Tod des Kindes unter qualvollen Bedingungen in Kauf nehmen. Hashi und Kiku, die beiden Hauptfiguren des bereits 1980 erschienenen Romans, überleben diesen Akt auf wundersame Weise; vergessen werden sie ihre Herkunft als Coin Locker Babys jedoch nie.

Die Jungen treffen in einem Waisenhaus aufeinander und erleben – nach der späten Adoption durch Pflegeeltern – auf einer verfallenden Insel ihre Kindheit gemeinsam und fühlen sich dadurch wie Brüder. Die beiden sind allerdings völlig unterschiedlich. Hashi, der eher schwächlich wirkt, ist ein kommunikativer Typ und erfreut sich einer gewissen Beliebtheit. Der verschlossenere und stillere Kiku dagegen ist sehr sportlich und setzt lieber seinen Körper als seine Sprache ein. Ryu Murakami – Coin Locker Babys weiterlesen