Schlagwort-Archive: Rezension

Donald E. Westlake – Fünf schräge Vögel

Donald E. Westlake hat mit seinen Parker-Krimis (als Richard Stark) bei mir den ultimativen Nerv getroffen. Schon deshalb sind seine anderen Werke für mich ebenfalls interessant, schwelt doch die Hoffnung, auf ähnlich gute Unterhaltung zu treffen. Warum nun der Atrium-Verlag ausgerechnet mit der John-Dortmunder-Serie auf den inzwischen wieder versiegten Ausstoß der Westlake/Stark-Publikationen aufspringt, bleibt eine Frage, die sich nach der Lektüre der Wiederauflage von „Hot Rock“ klärt. Donald E. Westlake – Fünf schräge Vögel weiterlesen

A.M. Homes – Das Ende von Alice

Pädophilie – kein einfaches Thema für einen Roman. Und das vorab: Öfter wird man sich fragen: Will ich das Lesen? Ungeschminkt werden Beschreibungen und Begrifflichkeiten verwendet, die ein Szenario erzeugen, mit dem man nicht so leicht sympathisiert. Doch wie die amerikanische Schriftstellerin A.M. Homes dieses Buch komponiert hat, verdient Beachtung. A.M. Homes – Das Ende von Alice weiterlesen

Scott Hutchins – Eine vorläufige Theorie der Liebe

Selten kommt es vor, dass ich ein Buch in die Hand nehme, weil mir der Buchtitel gefällt. Bei Scott Hutchins Debütroman war es sozusagen „Liebe“ auf den allerersten Blick. Und um die Liebe in ihren vielfältigen zwischenmenschlichen Formen geht es in diesem Roman, der mit Neill Bassett jr. einen Typen als Hauptfigur hat, aus dem man nicht immer schlau wird. Den ungewöhnlichen Rahmen bildet ein besonderes Vorhaben: Die Erschaffung einer künstlichen Intelligenz mit eigenem Bewusstsein. Scott Hutchins – Eine vorläufige Theorie der Liebe weiterlesen

Richard Yates – Cold Spring Harbor

Es gibt Autoren, deren Gesamtwerk will man komplett lesen. Unter ihnen sind diejenigen, über deren Schaffen man bereits einen guten Überblick hat und wo die Vorfreude auf die weiteren Bände dazu führt, dass man beginnt, sich die Lektüre der restlichen Bücher einzuteilen. In meinem Fall trifft das zum Beispiel auf Richard Yates zu. Richard Yates – Cold Spring Harbor weiterlesen

John Steinbeck – Die Perle

Nur 94 Seiten misst der Roman „Die Perle“ von John Steinbeck. Das es mit so einem kurzen Umfang trotzdem möglich ist, seine Leser in eine berührende Geschichte eintauchen zu lassen, beweist der amerikanische Nobelpreisträger von 1962 eindrucksvoll. Für (vielleicht) zwei Stunden entführt der Autor uns in die Welt mexikanischer Perlentaucher, die in der pazifischen Küstenprovinz ein hartes Leben führen. Stimmungsvoll setzt Steinbeck die Landschaft und ihre Menschen in Szene und  erzählt eine Geschichte über Glück und Unglück, Glauben und Tradition – und vom Kampf eines Vaters für ein besseres Leben seines Sohnes. John Steinbeck – Die Perle weiterlesen

Clifford Jackman – Winter Family

Wer sich von der „Winter Family“ eine beschauliche Familiengeschichte mit niedlichen Kindern, treusorgenden Eltern und grüne Wiesen mit blühenden Landschaften erhofft, sollte schnellstens das Weite suchen. Diesen Rat würden zumindest alle aussprechen, die ihre Erfahrungen mit dieser „Sippe“ gemacht haben. Clifford Jackman – Winter Family weiterlesen

Richard Ford – Frank

In vier Erzählungen lässt der amerikanische Autor Richard Ford noch einmal seine bekannteste Figur – Frank Bascombe – zu Wort kommen. Dessen abwechslungsreiches Leben ist in einer umfassenden Trilogie verewigt und in die amerikanische Literaturgeschichte eingegangen. Für den zweiten Band, „Unabhängigkeitstag“, erhielt Ford sowohl den Pulitzer-Preis als auch den PEN/Faulkner-Award. Der umschließende Rahmen für die jetzt erschienenen Storys sind die verheerenden Auswirkungen, die 2012 der Hurrikan Sandy an der Ostküste der Vereinigten Staaten verursacht hat.

„…ich bin achtundsechzig und genieße die nächste Stufe des Lebens – wohl auch die letzte: Demografisch gehöre ich zur „Leertisch-Fraktion“, endlich frei, um Gutes zu tun, falls mir danach sein sollte…“

Frank Bascombe zieht einmal die Woche los, um am Flughafen heimkehrende Soldaten zu begrüßen und ihnen ein Heft zu überreichen, dass ihnen über die ersten Tage helfen soll. Außerdem liest er, ebenfalls wöchentlich, in einem regionalen Radiosender Naipauls Roman „Rätsel der Ankunft“ vor. Doch viel mehr will er dann eigentlich nicht von dieser Welt. Richard Ford – Frank weiterlesen

LESESPOT N°1 – Aus den Fugen

Ein Abend in Berlin, ein Konzert in der Philharmonie und seine einschneidenden Auswirkungen auf das Leben einiger Beteiligter. So könnte man den Roman „Aus den Fugen“ zusammenfassen.

Der Schweizer Alain Claude Sulzer erzählt in wechselnder Perspektive das zeitgleiche Geschehen am Abend eines Konzertes. LESESPOT N°1 – Aus den Fugen weiterlesen

Ryu Murakami – Coin Locker Babys

Ryu Murakami ist einer der Autoren, die schon lange in meinem Kopf herumgeistern. In diesem Jahr bot eine Neuerscheinung nun den Anlass für ein Kennenlernen des japanischen Namensvetters von Haruki Murakami. Beide sind nicht miteinander verwandt und auch literarisch – zumindest nach dieser Lektüre – bewegen sie sich eher in unterschiedlichen Welten. Ryu Murakami, der auch als Filmregisseur arbeitet („Tokio Dekadenz“), hat ein eher düsteres Japan vor Augen, dass nichts mit dem zum Teil märchenhaft-verträumten Szenarien bei Haruki Murakami zu tun hat.

Der Titel des Buches sei erklärt:  Als Coin Locker Babys werden in Schließfächer ausgesetzte Säuglinge bezeichnet. In der Regel sterben sie vor ihrem Auffinden. Grausam und mörderisch ist das, weil die Mütter den sicheren Tod des Kindes unter qualvollen Bedingungen in Kauf nehmen. Hashi und Kiku, die beiden Hauptfiguren des bereits 1980 erschienenen Romans, überleben diesen Akt auf wundersame Weise; vergessen werden sie ihre Herkunft als Coin Locker Babys jedoch nie.

Die Jungen treffen in einem Waisenhaus aufeinander und erleben – nach der späten Adoption durch Pflegeeltern – auf einer verfallenden Insel ihre Kindheit gemeinsam und fühlen sich dadurch wie Brüder. Die beiden sind allerdings völlig unterschiedlich. Hashi, der eher schwächlich wirkt, ist ein kommunikativer Typ und erfreut sich einer gewissen Beliebtheit. Der verschlossenere und stillere Kiku dagegen ist sehr sportlich und setzt lieber seinen Körper als seine Sprache ein. Ryu Murakami – Coin Locker Babys weiterlesen

Jonathan Franzen – Unschuld

Ich gebe zu, es war ein besonderer Augenblick, das neue Buch von Jonathan Franzen in den Händen zu halten. Besonders, wegen meiner Vorfreude, denn der Autor hatte mir mit seinen beiden Romanen „Die Korrekturen“ und „Freiheit“ großes Lesevergnügen bereitet. Franzen, der „Star“ der amerikanischen Gegenwartsliteratur, war in den letzten Wochen in allen Medien präsent, die Erwartungshaltung an sein neues Werk entsprechend hoch. In der Regel sorgt die vorgefasste Haltung der Leser bei den Nachfolgewerken eher für Enttäuschung. Für Franzen scheint das nicht zu gelten. Die Kritiken waren positiv und auch zu meiner Freude ist wieder ein erstaunlich gutes Buch entstanden.

Der über 800 Seiten umfassende Roman enthält Figuren aller Altersklassen mit ihren generationstypischen Problemen. Bereichert wird das ganze mit einem Ausflug in die neuere deutsche Geschichte.  Das alles irgendwie miteinander verknüpft ist, gehört zur guten Konstruktion dieses umfangreichen Romans. Jedes Kapitel bleibt einer Hauptfigur treu, die durchbrochene Chronologie gefällt dabei. Der Roman ist handlungsorientierter als seine Vorgänger, springt durch Kontinente und Zeiten und enthält auch einen Kriminalfall. Doch das soll jeder selbst entdecken, denn… Jonathan Franzen – Unschuld weiterlesen