Donald E. Westlake – Fünf schräge Vögel

Donald E. Westlake hat mit seinen Parker-Krimis (als Richard Stark) bei mir den ultimativen Nerv getroffen. Schon deshalb sind seine anderen Werke für mich ebenfalls interessant, schwelt doch die Hoffnung, auf ähnlich gute Unterhaltung zu treffen. Warum nun der Atrium-Verlag ausgerechnet mit der John-Dortmunder-Serie auf den inzwischen wieder versiegten Ausstoß der Westlake/Stark-Publikationen aufspringt, bleibt eine Frage, die sich nach der Lektüre der Wiederauflage von „Hot Rock“ klärt.

„Fünf schräge Vögel“ – Auftakt vieler weiterer Bände – ist kein Buch, dass für einen Vergleich mit der Parker-Reihe taugt. Die Gesamtkonzeption ist eine andere: Während in den Parker-Krimis eine ernsthafte Professionalität herrscht, ist der Ton im vorliegenden Roman wesentlich lockerer, mitunter witzig und  ironisch angelegt. Nicht, dass ein professionelles Vorgehen der beteiligten Kriminellen fehlt, es ist nur verkürzter dargestellt, um Raum für den unterhaltenden Teil zu lassen, der sich meistens mit den persönlichen Charakteristika der Figuren beschäftigt. Das hat mich zunächst irritiert, mit fortschreitender Lektüre habe ich den Ton dann besser verstanden und konnte mich darauf einstellen und das Ganze – mit veränderter Leseeinstellung – auch geniessen.

Wichtiger erscheint als wesentliches Merkmal dieser Serie das häufige  Scheitern der Protagonisten, die sich oft in aberwitzigen Konstellationen wiederfinden und – nicht ohne Ehrgeiz und Ehrgefühl – skurile Situationen zu meistern haben. Hier spürt man die Lust von Westlake, mit viel Fantasie sich neue und zum Teil kuriose Konstellationen auszudenken und dem Hardboiled-Genre einen anderen, unterhaltsameren Anstrich zu geben, ohne es „durch den Kakao“ zu ziehen.

In den Siebzigern hatte der Ullstein Verlag eine gekürzte Übersetzung unter dem Titel „Vier schräge Vögel“ herausgegeben; der Ton natürlich der damaligen Zeit entsprechend. Ich habe in dieser alten Ausgabe ein wenig parallel gelesen – vieles ist sehr ähnlich oder gleich geblieben –  einige Begrifflichkeiten und Formulierungen, die aus heutiger Sicht nicht mehr tragbar wären, sind verändert worden. Die Neuübersetzung ist berechtigt, die Ausstattung des Buches als Hardcover würde ich jedoch in Frage stellen. Für 19,90€ kann man von einem Liebhaberpreis sprechen – nur ohne bibliophile Liebhaberausstattung. Ähnlich wie Heyne und Pendragon bei James Lee Burke hätte der Verlag auf eine Paperback-Ausgabe hinarbeiten sollen. Zuletzt war dies ja ganz vorzüglich mit den drei Bänden um den Privatdetektiv Karl Kane von Sam Millar gelungen.

Zum Inhalt werde ich hier nichts weiter schreiben (…ein Smaragd soll gestohlen werden) – hingewiesen sei auf die Zeit, in der der Roman entstanden und angelegt ist. Aus heutiger Sicht ertappt man sich bei diesen Büchern ja immer mal in kleinen Gedankenfallen, die aufgrund der modernen technischen Möglichkeiten im Leserkopf herumschwirren, im Buch aber richtigerweise fehlen …ach! …ja, geht ja nicht anders!… So kommt einem das schon schräg vor, wenn jemand in der Telefonzelle bleiben muß, damit die zersplitterte Truppe Kontakt halten kann.

Soll man das jetzt lesen? Ja, warum nicht. Es ist amüsant – als Geschichte selbst und als Zeitdokument der Kriminalliteratur – und einfach gute, alte Handwerksarbeit!


DONALD E. WESTLAKE,„Fünf schräge Vögel“, Atrium Verlag

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3 Kommentare zu “Donald E. Westlake – Fünf schräge Vögel”

  1. Gebe Dir Recht, was den Preis betrifft. Das hatte ich bereits auch in meinem Vorschau-Ticker kritisiert. Hier hätte – wie du schon richtig sagst – eine broschierte Ausgabe gereicht. Und wenn schon Hardcover zu dem Preis, dann bitte auch dementsprechend aufgemacht. – Dennoch schön, dass immer mal wieder etwas von Westlake/Stark veröffentlicht wird, wenngleich ich hoffe, dass sich da mal ein Verlag seines Werks (oder zumindest der Parker-Reihe) annehmen wird. So wie Pendragon das jetzt schon seit Jahren mit Robert B. Parker macht.

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    1. Ich hatte die Hoffnung, dass Zsolnay nach den neuen Erstübersetzungen auch ältere Werke wiederauflegt. Laut Verlag war der Zuspruch allerdings nicht so groß, um weitere Projekte anzugehen. Umso interessanter, was Atrium jetzt vorhat!? Wenn die jetzt noch an der Ausstattung feilen…

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      1. Ja, das habe ich auch gehört. Mit Spenser bei Pendragon ist das mit dem mangelnden Zuspruch nicht anders. Nur das Günther da einfach in den sauren Apfel beißt, weil ihm der Autor am Herzen liegt. Vllt. wäre also auch Stark da nicht schlecht aufgehoben, zumal die Stone-Reihe jetzt zu Ende gegangen ist. (Die nicht von Parker geschriebenen Bände, werden ja aller Voraussicht nach nicht veröffentlicht) Platz im Programm wäre vllt. also.

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